WURSTLAND – EIN APOKALYPTISCHES ENDZEITINFERNO (Film, 2016)

Der Film widmet sich dem Prinzip des Chaotischen als eigentlichen Urzustand aller Wesenheit unseres Planeten.
Da wir aber in einer Zivilisation leben, in der alle Strukturen des Zusammenlebens auf Ordnung basieren und diese allzu oft zähneknirschend verteidigt werden, scheint das Scheitern in dieser Welt vorprogrammiert zu sein.
Wurstland  ist ein Genremix aus Spielfilm und Dokumentation.
Der Zustand des Chaos und die schleichende Auflösung der Ordnung manifestiert sich in den filmischen Mitteln die sich nach und nach selbst entlarven. Die Illusion beginnt zu bröckeln, Schauspieler  irritieren, indem sie ihre Rollen und die Geschichte immer öfter verlassen, um ihr wahre Persönlichkeit teils in Videotagebüchern, teils mitten in den Szenen zu offenbaren.
Das gesamte Team wird im Laufe dieses 90 minütigen Wahnsinns zum Akteur.
Da wir irgendwann einsehen mussten, dass eine Erzählung von Chaos anscheinend nur funktionieren kann, wenn man eben dieses zulässt, entwickelt sich der Spielfilm zur Dokumentation einer zweiwöchigen ungebändigten, verwirrten, sehnsuchtvollen und wahnwitzigen   Performance.
Die Notwendigkeit das Chaos tatsächlich regieren zu lassen, war ab der Hälfte des Drehzeitraumes stärker als dem Diktat des Drehbuches zu gehorchen.
Die Frage nach Authentizität ist dem Zuschauer selbst überlassen. Will ich an den gängigen Regeln und Strukturen der Narration festhalten, weil diese, ob unserer Seh-und Lebensgewohnheit, eventuell leichter zu ertragen sind, oder gebe ich mich dem ungelenkten Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen der Akeure hin?
Darüber hinaus zeigt der Film wie anspruchsvoll es selbst für eine eingeschworene Gruppe ist, kollektiv zu arbeiten.  Hierarchische Muster und Verhaltensweisen  halten trotz der Sehnsucht nach Kollektivität Einzug, demonstrieren aber auch, wie wichtig es ist diese zu überwinden, und die anfängliche Verwirrung darüber vorerst zu ertragen. Insofern ist Wurstland auch eine Arbeit über das Scheitern von Hierarchie, Macht und Ego.

Die geplante, zum Teil auch noch vorhandene Geschichte des Filmes ist schnell erzählt:
Wir befinden uns in einer Zeit nach unserer Zeit. Die Apokalypse hat stattgefunden. Der Planet ist zerstört. Alles ist tot.
Alles? Nein- nicht ganz.
In den Ruinen unserer verkorksten Zivilisation konnten einige wenige Inidivduen überleben.
Die beiden vom Wahnsinn getriebenen Ex-Kapitalisten Dr. Scapula und Sir Malheur irren durch diese fremde neue Welt auf der Suche nach einem letzten Snickers, wobei sie eigentlich lernen wollen sich der totalen Bedürfnislosigkeit hinzugeben, da dies die letzte Überlebenschance zu sein scheint. Dabei begegnen sie dem Hundemenschen Murphy Mc Murphy, der die menschliche Sprache  aufgegeben hat, um sich komplett mit den Resten der Natur zu vereinigen. In einem bunkerartigen Erdloch finden sie die schizophrene Enola Akali, der erst noch erklärt werden muss, das die Welt so wie sie einmal war, nun nicht mehr ist.
Gemeinsam machen sich unsere verstörten Helden auf den Weg und finden ein mysteriöses Schloss, dessen Bewohner den Rest der sogenannten family-Gruppe sind, einer ehemaligen spirituellen Terrororganisation aus der Davor-Welt. Die family-Gruppe möchte die als Realität gehandelte Wirklichkeit nicht annehmen und formuliert einige kritische Grundsätze wie z.B.: totale Hoffungslosigkeit (Auf etwas zu hoffen sei eine dumme Idee, da dies schon recht passiv sei),
Enttäuschung als Ideal (Denn es sei gut die Täuschungen aufzuheben),
der Willen zur Demütigung (Denn Demut, sei eine äußerst fortschrittliche geistige Haltung)
und die Dringlichkeit zum Zugrundegehen (Was sei falsch daran, auf den Grund der Dinge zu gehen?).
Die Gäste des Schlosses sollen also ordentlich agitiert werden, damit die family-Gruppe ihren geheimen Plan, nämlich eine neue Menschheit nach ihren Vorstellungen zu erschaffen, in die Tat umgesetzt werden kann. Die Apokalypse sei doch schließlich ein guter Zeitpunkt dafür. Tabula rasa usw.-
Natürlich ist dies auch zum Scheitern verurteilt, da Machthunger und der falsche Glauben an das Funktionieren von Hierarchien die Welt ja schließlich zum einstürzen gebracht haben.
Also verlassen alle gleichsam einsam und gemeinsam das Schloss, nehmen ein rituelles Bad im ewigen Ozean um sich reinzuwaschen vom klebrigen alten Gedankengut. Nackt und schön finden sie das ewige Feuer an dem sie das Wesen Marodes erwartet und sie auffordert, ein Bild von sich selbst und damit alles was Ich beduetet zu verbrennen. Der Tot schafft Leben und Chaos regiert!

Regie: Paula Thielecke & Sören Hornung

Buch: KOLLEKTIV EINS

Szenenbild, Kostüm, Ausstattung: Lisa Jacobi, Harry Rischmuller

Mit: Carolin Wiedenbröker, Dominik Puhl, Ioachim Zarculea, Konstantin Morfopoulos, Paula Thielecke, Sophia Hankings-Evans, Stefan Hornbach, Tobias Artner

eine Koproduktion der Filmuniversität Babelsberg, der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg und der Akademie der bildenden Künste Wien