LAIKA – ЛАЙКА

DAS CHAOS SEI WILLKOMMEN DENN DIE ORDNUNG HAT VERSAGT

Die Journalistin Laika berichtet subjektiv, wütend und nicht systemkonform. In ihrer Radiostation „Sputnik II“ sendet sie ebenso gegen die offizielle Geschichtsschreibung an wie gegen die menschenverachtenden Dogmen des an seiner toxischen Männlichkeit krankenden Kapitalismus. Nicht die Sieger kommen bei ihr zu Wort, sondern die Verlierer, die Toten. Ihre Stimmen sammelt sie – für künftige Generationen. Dabei sitzt sie am Mikrofon wie die berühmte Weltraumhündin Laika in ihrer Satellitenkapsel, abgeschnitten von der realen Wirklichkeit, die vielleicht gar nicht mehr existiert. Und nicht zufällig trägt die leidenschaftliche Journalistin den Namen der tierischen Kosmonautin, die dem Temperaturanstieg bei ihrer Umkreisung der Erde erlag – denn die vierbeinige Heldin der Raumfahrt, war in Wahrheit vor allem ihr Opfer. Eine kleine Probandin auf dem Schlachtfeld des sogenannten Fortschritts, ein Hundeherz, das zu wenig wog, um verteidigt zu werden. Wie so viele andere Herzen.

Pressestimmen:

»Der Untertitel der Performance bringt den Inhalt auf den Punkt: „Das Chaos sei willkommen, denn die Ordnung hat versagt“ soll einst Karl Kraus („Die letzten Tage der Menschheit“) gesagt haben, und was der Österreicher damit meinte, können wir immerhin ahnen, denn er starb 1936. Der Abend kommt in hohem Tempo, schrillen Glitter-Outfits, lauten Songs und gut gesetzten Videoeinspielern. Das Tohuwabohu wird in diesem Ballettsaal durch die Spiegelungen in den großen, getönten Fenstern noch verstärkt und mischt sich mit dem Ausblick auf den Theatervorplatz. Das alles sorgt für Unterhaltung und durchgehende Aufmerksamkeit in den anderthalb Stunden ohne Pause. (…) Dieses Kuddelmuddel ist durchdacht und schafft Aufmerksamkeit für die Momente, in denen die Verzweiflung aufscheint. Sie ist dann kaum von der Hoffnung zu unterscheiden, dass es doch noch eine andere Wirklichkeit gibt als die mediale Internet-Wirklichkeit, der wir heute ausgeliefert sind. In der es gar keinen Sinn macht, News von Fakes zu unterscheiden. In der wir unseren Erklärbären Harald Lesch, Richard David Precht und Volker Pispers dankbar sind für ein paar zusammenhängende Sätze. Die natürlich nichts ändern. Das Volkstheater Rostock hat den Ballettsaal zum Raum für Experimente gemacht und sich mit dem Kollektiv Eins aus Berlin neues, frisches Performance-Theater kommen lassen. Mit „Laika“ schließt es die Reihe „Knall + All“ ab, mit dem Schauspieldirektor Ralf Reichel in seiner ersten komplett geplanten Spielzeit den Bereich des junge Experimentaltheaters abdeckt. Ein guter Kauf. Die Irritation dieses Abends passt nach Rostock. Sie ist unterhaltsam und nachvollziehbar. „Laika“ ist im besten Sinne originell und bietet als eigenständige Stückentwicklung in einem besonderen Raum einen Blick auf die Welt, aus der die Alten mit einem gemächlichen Kopfschütteln herauswachsen. Aber die Jungen, die wachsen da erst rein.«

Nachtkritik, Frank Schlößer, Dezember 2017

»Das Los von Laika ist nur der wissenschaftsgeschichtliche Hintergrund für dieses Theaterstück. Hier wird ein Hundeschicksal umgedeutet und erhöht: Mit Laika begann nicht nur die „behündete Raumfahrt“, sie war auch „ein Opfer auf dem Schlachtfeld des sogenannten Fortschritts“. Was jetzt ein bisschen überengagiert klingt, ist auf der Bühne sehr unterhaltsam. Auch deswegen, weil alles so hübsch verpackt ist. Das retrofuturistische Kuschel-Ambiente (Ausstattung: Lisa Jacobi), das ein wenig an Stanley Kubricks „2001“-Kulisse erinnert, macht das Treiben auch zu einer optisch attraktiven Angelegenheit. Hier ist es also Journalistin Laika (Stefan Hornbach), die mit der Radiostation „Sputnik II“ vom kaukasischen Berg Elbrus gegen die offizielle Geschichtsschreibung ansendet. Moderatorin Laika ist in ihrer Transvestiten-Anmutung durchaus zu den großen Wahrheiten fähig, die uns heute bewegen: Ausbeutung der Natur, Tierversuche, die Unterdrückung von Frauen und Minderheiten. Oder in der Sprache von Kollektiv Eins: „die menschenverachtenden Dogmen des an seiner toxischen Männlichkeit krankenden Kapitalismus“. Selbst dann, wenn man das ernsthafte Anliegen ausblendet, bleibt „Laika“ eine schrille und spaßige Produktion. Von den Aufführungen des Berliner Kollektiv Eins, die bislang am Rostocker Volkstheater liefen, war dies bislang die unterhaltsamste. Nächste Vorstellungen am 21., 27. und 28. Dezember, jeweils um 20 Uhr im Ateliertheater des Volkstheaters Rostock.«

Ostseezeitung, Thorsten Czarkowski, Dezember 2017

Buch und Regie: Paula Thielecke, Sören Hornung

Bühne & Kostüme: Lisa Jacobi

Ausstattung: Harry Rischmüller

Regieassistenz: Marc Pawlowski

Mit: Stefan Hornbach, Paula Thielecke, Sören Hornung, Jan Preißler, Oli Friedrich, Marc Pawlowski