Foto: Uwe Lewandowski

DIE BAKCHEN

In einer Theaterfassung vom Ensemble mit Texten von Paula Thielecke und Sören Hornung nach der Übersetzung von Johann Adam Hartung

Euripides schildert in seiner 406 v. Chr. uraufgeführten griechischen Tragödie DIE BAKCHEN die Krise um den antiken Opferkult. Die Ordnung der Stadt Theben, die ihren Bewohnern Stabilität, Sicherheit und das kostbarste Gut einer „Identität“ schenkt, wird von einer fremden Gewalt attackiert. Dionysos, der neu aufkommende Gott des Rausches führt die Frauen aus der Stadt, die in einem Zustand der Trance und Raserei dionysische Feste feiern. Unterdrückte Bedürfnisse platzen hervor und überschreiten die Schwelle des Bewusstseins. König Pentheus von Theben versucht mit aller Gewalt den neuen Kult zu verhindern und seine Ordnung zurück zu erkämpfen. Doch gerade weil das offenbar Fremde mit dem Wohlbekannten in Schwingung kommt, kann auch er Dionysos‘ Verführung nicht widerstehen. Als sich der Rausch am nächsten Morgen verflüchtigt, gibt es zwischen den Gegenspielern keinen Unterschied mehr: die Gewalt am einstimmig vollzogenen Opferritus hat alle Unterschiede getilgt und eine neue Gemeinschaft formiert.

 

Pressestimmen:

»Eindrucksvoll der chorische Zugriff auf das Dionysische in den „Bakchen“, selbst wenn man das wiederholte Demonstrieren: „Wir machen hier bloß Theater“, als störend empfindet, so bleibt die Faszination eines Zusammenspiels in tragisch-grotesker Zuspitzung. Großartig, wie das an der Inszenierung beteiligte Studenten-Ensemble hier zu einem Ton findet, zu einem orgiastischen Sprechleib verschmilzt, um dann immer wieder ernüchtert auseinanderzufallen. Hier wachsen die Einzelnen über sich hinaus, eben weil sie sich nicht vereinzeln lassen. Die überzeugende Interpretation des Zusammenhangs (Klangs!) von Kunst und Rausch, Vernunft und Kritik.«

Theater der Zeit, April 2017

 

»Viel radikaler der Zugriff auf ,,Die Bakchen“, die die Regisseur*innen Sören Hornung und Paula Thielecke als dezidierte Ensemble-Arbeit aufführen. So hören wir im wilden Aufruhr auf der Bühne das laute und wiederholte Nein zu einer Kultur, die im Wesen eine Kultur der Entmündigung und Unterdrückung sei, und es klingt wie ein Reflex auf Peter Weiss‘ ,,Ästhetik des Widerstands“. Ganz in der Steinbruchmentalität der Materialästhetik hat das Ensemble das alte Stück auseinandergenommen, ein neues zusammengefügt und mit furioser Spiellust aufgeführt. Im günstigen Falle, so wie hier, ist bei solchem Vorgehen die Vorlage im Kern noch erkennbar, aber nun mit neuen Horizonten verbunden. So schwirren neben Euripides auch Texte von Rosa Luxemburg, Virginia Woolf oder Slavoj Žižek durch den Raum und durchs Programmheft. Von Revolution ist die Rede, und die Frauen stehen, noch viel grundsätzlicher als bei Euripides, im Zentrum der Unterdrückung und der Kämpfe.  ,,Unartige Kinder“ nennt das Volkstheater diese Themenreihe. Im Falle der ,,Bakchen“ sind die ,,unartigen Kinder“ das Ensemble selbst, das die Tragödie als ,, deutungsoffen“ nimmt, zum Satyrspiel aufbohrt und daraus ein rasantes Verwirrspiel über moderne Identität und ihre Manipulation macht: starke Spielerei – starker Tobak.«

Ostseezeitung, 27.02.2017

 

»Wie groß die Darstellungsunterschiede in der Interpretation der klassischen Vorlagen sein können, wird schon in der Pause in der Theaterkantine deutlich. Geschlossen wird das Publikum dorthin geführt und dann von den sechs Schauspieler(*inne)n witzig und voller Esprit auf die nun folgende Aufführung von ,,Die Bakchen“ eingestimmt. Unter der Inszenierung von Sören Hornung und Paula Thielecke (…)  können die Studenten bei ihrer Spielfreude aus dem Vollen schöpfen. Sie zeigen den Konflikt zwischen König Pentheus von Theben und dem Weingott Dionysos, der die Frauen der Stadt in einem Zustand der Trance und Raserei führt. Die jungen Schauspieler (*innen) lassen es sich aber auch nicht nehmen, in dem antiken Stück auf die aktuelle finanzielle Misere des Volkstheaters aufmerksam zu machen. Denn bei ,,Bakchen“ ist bis auf das Modell eines klassischen griechischen Theaters überhaupt nichts mehr auf der Bühne.«

Norddeutsche Neueste Nachrichten, 27.02.2017

Leitung Sören Hornung und Paula Thielecke

Texte Euripides, Paula Thielecke und Sören Hornung

Chorleitung Paula Thielecke

Ausstattung Franziska Just

Dramaturgie Bogna Grazyna Jaroslawski

Es spielen: Felicitas Erben, Katia Fellin, Katja Plodzistaya, Max Mehlhose-Löffler, Michael Schröder, Paula Thielecke