von
KOLLEKTIV EINS

LIEBE SCHWESTERNBRÜDER UND BRÜDERSCHWESTERN,

Was wir wissen:
Gedanke, Wort und Tat.

Theater hat und ist revolutionäres Potential.
Wir haben das überprüft.
Und?
Es stimmt!
Was das KOLLEKTIV EINS sagt stimmt!
Ja, das stimmt!

Theater, das ist doch aber auch Schreiben im Sand!?
Ja. Das stimmt. Auch.
Aber ganz schnell wird aus Sand am Meer der Sand im Getriebe.
Und dann knirscht´s gewaltig.
Ich war. Ich werde sein. Ich bin.
Kinder, es knirscht im Getriebe.
Knirsch! Knirsch!

 


Unser Mittel ist die Kunst.
Theater, Film, Literatur und Drag sind die geflügelten Affen,
d
ie uns an diesen unbekannten Ort tragen,
der unser selbstgewähltes home sein kann und darf.
Mit tiefem Vertrauen in die Kraft des Kollektivs
wollen wir einen Gegenentwurf zum gängigen,
hierarchisierten und patriarchal strukturierten Theatersystem schaffen.
Humor, Ironie, Polemik und Satire begreifen wir
als notwendige diskursive Katalysatoren.
Wir glauben fest an die Entmachtung konservativer Werte durch das Lachen.
Als kritisches Korrektiv leben wir, wie eine mehrköpfige Schlange:
Unsere Häupter können sich streiten, doch die Verdauung ist dieselbe.
Wir lieben Verdauung.
Keine Utopie.
Wir träumen nicht – nein – wir fordern eine Welt, in der

der Schritt vom Überleben hin zum Leben
nicht vom Ort der Geburt, der Hautfarbe, dem Geschlecht oder der Sexualität abhängt.
Wir streiten für ein System, in dem es keine Rolle spielt, nirgends,
ob du Mensch, Tier, Meer oder Pflanze bist.
Wir wollen gern zugrunde gehen und uns selbst ent-täuschen,
um bis auf den Grund dessen zu gelangen, was die Welt im Innersten zusammenhält:
S
existische, rassistische, faschistische, homophobe, antisemitische,
nationalistische, kapitalistische Handlungen und Denkweisen,
denen wir täglich ausgesetzt sind, die wir sowohl am eigenen Leib erfahren,
als auch selbst verursachen.
Die Geschichten, die die sogenannte Realität konstruieren,
zu manipulieren und zu verändern, ist das Primat1 unserer Arbeit.
Vom Herz – zum Hirn – zum Stift – zum Mund – vom Herz.
Vom Mund – zum Ohr – zum Hirn – zum Herz.

Gut Streiten. Gut Diskutieren. Gut Argumentieren. Gut Lachen. Gut Weinen. Und ´ne geile Show!
Und was ist überhaupt „gut“?

Dafür stehen wir mit unserem Namen.
KOLLEKTIV EINS


das Primat1

Nicht zu verwechseln mit dem Primat, dem Angehörigen, der am höchsten entwickelten Ordnung der Säugetiere:
Der Urtypus des Menschen ist der idealisierte, weiße, westliche, heterosexuelle Cis-Mann, der sich seit,
sagen wir mal ungefähr 2500 Jahren, immer wieder als Held und Hauptperson in den Mittelpunkt sämtlicher
kultureller Überlieferungen stellt. Ob diese Überlieferungen nun Hollywood, Antike oder Deutsche Klassik heißen,
ob das nun Apocalypse Now, Kreon oder Dr. Faustus ist; aufgewachsen in der patriarchalen Gewohnheit struktureller Überlegenheit
(Fun Fact: obwohl er einer Minderheit angehört) kann er ein Maschinengewehr bedienen und alles abknallen, vergewaltigen,
diskriminieren, was nicht er ist. Mit dieser Masche hat er die Bühnen und Leinwände dieser Welt gekapert.
Der queerfeministischen Revolution in der wir uns, sagen wir mal seit ungefähr 2500 Jahren befinden, gehören wir an.
Den Wesen die nicht er sind gilt unsere Solidarität.

Wenn du mich fragst und das solltest du, wenn dir etwas am Leben in Freiheit liegt,
ist er ein obermieses Arschloch. Obwohl er diese Bezeichnung gar nicht verdient.
Arschlöcher sind toll und absolut unterschätzt. Wo wäre der Mensch nur ohne sein Arschloch?
Also, er ist auf jeden Fall ein obermieser Typ und könnte ich hexen, würde ich ihm sein Arschloch weghexen.
Hex – hex.“

(aus: „Die Zauberin von Oz“, Uraufführung am Theater Osnabrück, Spieltriebe 7, Spielzeit 17/18)